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Leben mit Behinderung

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Menschen mit Behinderung ein würdevolles und gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen, das hat sich das Projekt Simama im Hochland von Tansania zum Ziel gesetzt. Dort wird Hunderten Kindern und ihren Familien geholfen, die Hürden des Alltags zu meistern.

Das Projekt ist Inspiration für die interaktive Ausstellung „missio for life“: Hier tauchen Schüler ein in das Leben des tansanischen Jungen Geoffrey, der nach einem Motorrad-Unfall für immer gelähmt bleibt …


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Wie es genau passiert ist, daran kann er sich kaum noch erinnern. Joseph M. weiß nur noch, dass er mit dem Motorrad auf der staubigen Straße unterwegs war, als plötzlich wie aus dem Nichts ein Auto vor ihm auftauchte. Er versuchte noch auszuweichen – dann wurde ihm schwarz vor Augen.

Als er wieder zu sich kommt, kann er sein linkes Bein nicht mehr bewegen. Auch zwei Operationen im staatlichen Krankenhaus bringen den mehrfach gebrochenen Oberschenkel nicht wieder in Ordnung – ohne Hilfe kann er kaum selbst laufen.

"Mit dieser Behinderung zu leben, ist hart für mich", sagt Joseph  niedergeschlagen. "Richtig arbeiten kann ich nicht mehr und Hilfe vom Staat bekomme ich nicht."

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Wie es Joseph im echten Leben ergangen ist, so ergeht es dem tansanischen Jugendlichen Geoffrey in der  interaktiven missio-Ausstellung „missio for life“. Seit Juni 2019 gibt es das neue Virtual-Reality (VR)-Modul, das das Leben mit Behinderung in den Blick nimmt.

Schüler ab der 8. Jahrgangsstufe können mit VR-Brillen in die Welt von Geoffrey im ostafrikanischen Tansania eintauchen.

Wie kommt man mit einer Behinderung zurecht in einem Land, in dem der Alltag auch ohne Beeinträchtigung schon schwer zu meistern ist?



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In der virtuellen Welt von Geoffrey ist es ein Pfarrer, der ihn auf seinem Weg zurück ins Leben unterstützt. Furaha Ntsamaye heißt er, von allen nur "Father Furaha" genannt.

Father Furaha gibt es auch im echten Leben. Er und das von ihm geleitete Projekt "Simama" der Diözese Mbeya im südlichen Hochland Tansanias helfen Kindern und Jugendlichen mit Behinderung - und ihren Eltern.
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Simama bedeutet auf Swaheli „Steh auf!“ – und genau das ist das Ziel: Kindern mit Behinderung und ihren Eltern zu helfen, gegen alle Widrigkeiten aufzustehen.

Im Jahr 2013 hat der Pfarrer das Projekt ins Leben gerufen.

"Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung ist mir eine Herzensangelegenheit. Wir  wollen erreichen, dass die Kinder und ihre Familien nicht mehr aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch individuelle Talente und Fähigkeiten hat."
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Father Furaha sitzt am Steuer seines in die Jahre gekommenen Geländewagens, während er begeistert von seiner Arbeit erzählt. Fast täglich ist er unterwegs zu einer der Außenstellen des Projektes. Simama besteht aus vier kleinen Rehabilitationszentren.

In den vier Reha-Zentren werden Kinder mit geistigen wie körperlichen Behinderungen von Physiotherapeuten behandelt. Sozialarbeiter und eine Psychologin unterstützen die Familien, die oft nur schwer mit der Behinderung ihrer Kinder zurechtkommen.
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"Bei uns in Tansania herrscht noch immer die Meinung, Behinderte hätten keinen Anspruch darauf, am Leben teilzunehmen", berichtet Father Furaha.

"Sie glauben, Menschen mit Behinderung seien hoffnungslose Fälle, in sie zu investieren wäre sinnlos. Eltern bekommen nicht selten zu hören, ihr Kind sei ‚eine Strafe Gottes‘.

Die Leute glauben oft auch daran, dass bei Behinderungen Hexerei im Spiel ist. Die betroffenen Familien werden gemieden, um den Fluch fernzuhalten. Das ist nur schwer aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen“, erzählt der 39-Jährige.
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"Wir fühlen uns hier angenommen, so wie wir sind“, sagt Uruma Fronto, die mit ihrem elfjährigen Sohn Esrom drei Mal die Woche zum Reha-Zentrum kommt. Er ist seit seiner Geburt geistig behindert.

„Seitdem wir mit Esrom bei der Reha sind, kann er seine Arme und Beine viel besser bewegen. Das ist großartig“, sagt Uruma Fronto. Erst hier habe sie gelernt, ihr Kind so anzunehmen, wie es ist.

"Ich treffe hier Mütter, die mit den gleichen  Herausforderungen kämpfen wie ich, und auch andere Kinder, die genauso sind wie Esrom. Hier erfahren wir, dass wir nicht alleine sind, dass wir dazugehören."


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Dass es sich bei Esrom und den anderen Simama-Kindern nicht um Einzelfälle handelt, bestätigt der Chef der Physiotherapie-Abteilung des Krankenhauses, Seraphine Mushi. Seinen Angaben zufolge leben von den rund 57 Millionen Einwohnern Tansanias etwa zehn Prozent mit einer schweren Behinderung.

Neben Unfällen, wie der von Motorradfahrer Joseph M., sind oft Probleme während der Schwangerschaft oder Unterversorgung bei der Geburt die Ursachen.

"Unser Gesundheitssystem hat große Mängel. Viele Kinder kommen wegen Sauerstoffmangels mit geistigen und auch körperlichen Beeinträchtigungen zur Welt. Zudem wissen viele Schwangere einfach nicht, dass Alkohol- oder Tablettenkonsum ihrem ungeborenen Kind schadet. Armutsbedingte schlechte Ernährung und fehlende  Hygiene tun ihr übriges“, sagt der Arzt.


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Auch Jacklin Makongulo ist ein Opfer des maroden Gesundheitssystems in Tansania. Weil in ihrer Kindheit eine Infektionskrankheit viel zu spät erkannt wurde, wurden der heute 19-Jährigen als Kind beide Unterschenkel amputiert.

Heute macht sie im Ausbildungszentrum Iyunga eine Lehre zur Schneiderin. Als sie hierherkam, konnte sie nur mit Hilfe ihrer Arme über den Boden robben.

"Seit zwei Jahren habe ich jetzt neue Beine", sagt sie lächelnd. Zwei Unterschenkel-Prothesen aus der orthopädischen Werkstatt des Krankenhauses von  Serafin Mushi machen es ihr möglich, fast wieder normal laufen zu können. Father Furaha lächelt:

„Wir nehmen unsere Botschaft ernst: Simama heißt ‚Steh auf‘ – und Jacklin zeigt uns, dass das auch wirklich geschehen kann.“



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